11.09.2026 - 11.10.2026
14:00 - 18:00
Bürgerhaus "Hanns Eisler"
Eichenallee 12
15711 Königs Wusterhausen
Der in Berlin geborene und heute in der Uckermark lebende Maler und Grafiker Matthias Schilling bekennt in einem Statement: „Wir sind an den Grenzen des Wachstums, der Beschleunigung und der Globalisierung angekommen.“
Ein Satz, der mich aufmerken ließ, zumal er eigenen Gedanken ähnelt. So sieht sich hier ein musisch geprägter Mensch als eine Art Seismograph unserer Zeit. Matthias Schilling schreibt in seinen Betrachtungen weiter: „Geboren in die analytische Epoche des zergliedernden Denkens suche ich die Synthese von Mut und Demut besonders in der Auseinandersetzung mit der Natur. Im Ausharren vor ihr, in der Erfahrung, dass alle Wahrheit in ihr liegt, halte ich im Verweilen dem Geschwindigkeitsrausch der zivilisierten Welt stand.“
Dieses Bekenntnis kann man deutlich spüren, wenn man in seine Aquarelle eintaucht. Die Bilder von Norwegen bestechen durch ihre farbliche Brillanz und Kraft, die in mir Demut erzeugen vor der Größe der Schöpfung. Das Erschauern wird m.E. erzeugt von dem Wechsel aus zarten fließenden Farbtönen und strengen energischen Farbflächen, die die Gewaltigkeit dieser von Wind und Wetter gestalteten Landschaft preisen und gleichzeitig die Grenzen in unserem Wirken offenbaren.
Seine jahreszeitlichen Studien der Natur lassen ebenso dieses Verweilen erkennen. Der Frühlingsbaum, der das Haus in den Hintergrund rückt in seiner blühenden Pracht… Das Ensemble um die Kirche im Winter, deren Spiel aus warmen und dunklen Tönen Geborgenheit assoziiert, aber die gestutzten Bäume im Vordergrund fast wie ein Totentanz wirken.
Der Baum ist bei Matthias Schilling häufig eine Metapher für sein Tun. So auch in dem Farbholzschnitt „Glaube und Wissen“, ein Werk, das der Künstler am Ende der Ausstellung für eine Versteigerung dem Kulturbund zur Verfügung stellen wird.
Ein gequälter Baum, der sich wie ein Mensch auflehnt gegen den Sog, der ihn ins Bildzentrum ziehen will, wird zum Gegenpol für die ins Bild strebende Spirale, die ich als ein Symbol unserer getriebenen Welt ansehe, welche uns in einen solchen Strudel treibt, wenn wir es zulassen…
Gerd Bandelow

