Siemensvilla alt

um 1910

2014

Das Bürgerhaus “Hanns Eisler” und seine Geschichte

1892
erbaut vom Bauunternehmer G. Lehmann, Königs Wusterhausen

1952 – 1960
Eigentum und Praxis des Tierarztes Dr. Ludwig Albrecht
1960
Eigentum der Stadt Königs Wusterhausen
1964
Klubhaus des deutschen Kulturbundes und des Stadtklubs
1977
technische Modernisierung
1994
Umbau zur Kulturstätte und Ausbau der Kellerräume zur gastronomischen Nutzung

Borchert-Bürgerhaus BH93a
MAZ 07.03.1996                                                  MAZ 21.09.1993
MAZ94
Februar 1994

Um ein Haar wäre Königs Wusterhausen Siemensstadt geworden.
Das zumindest war der Traum des Konzerngründers.
Irgendwie muß sich Werner von Siemens ins kleine
Königs Wusterhausen verliebt haben.

“Er plante, bei uns das anzusiedeln, was später in Spandau entstand.”
Diese überraschende Erkenntnis gewann der Hobby-Historiker Heinz Borchert.

Werner von Siemens, Erfinder, Wissenschaftler und Firmenchef der Siemens AG, ließ in der Zeit, als er Besitzer der Kohlegrube „Centrum“ in Schenkendorf war, in der damaligen Eichenallee für seine jüngere Schwester Sophie eine Villa bauen. Er folgte ihrem Wunsch, das Haus dort zu errichten, wo der Blick über die Äcker zum Wald hin ging und man abseits vom geschäftigen Treiben die Beschaulichkeit der ländlichen Idylle genießen konnte. Der Wald begann etwa an der Jahnstraße, die es damals noch nicht gab.

Zu DDR-Zeiten beherbergte das Haus u.a. den
„Klub der Intelligenz“ und später den „Hanns Eisler Klub“.

Nach dem Umbau des Hauses 1993/94 bekam das Bürgerhaus einen Theatersaal, der zusammen mit dem Vorraum und dem Flur als Galerie genutzt werden sollte, so, wie bereits ab den 60er Jahren. („Kleine Galerie“).
Im Obergeschoß sind ein Kreativraum für Vereine und das Büro des Kulturbundes. Im Kellergeschoß befindet sich die privat betriebene Gaststätte „Altstadtkeller“.


Siemensstadt in Königs Wusterhausen
Die Randwanderung von Bürgern und Industrie aus Berlin nach Brandenburg ist heute ein von Lokalpolitikern viel beklagtes Ärgernis. Neu ist sie nicht. Vor hundert Jahren gingen Borsig nach Tegel, Schwartzkopf nach Wildau und Siemens in die Jungfernheide,
eben nach Brandenburg. Raus aus Berlin war schon damals die Parole. Nur wohin, war eine schwierige Frage.

Daß Siemens nach Siemensstadt zog ist heute geläufig, war aber vor hundert Jahren nicht selbst­verständlich. Wenigen ist be­kannt,
daß Königs Wusterhausen damals als ernsthafte Alternative geprüft wurde. Dort war der Bo­den billig zu haben und Siemens
hatte dort in der Nähe schon ei­nen Standort.
Das Heimatmuseum von Königs Wusterhausen erinnert an diese Geschichte. Erst jüngst wurde in Königs Wusterhausen
aus die­sem Anlaß eine neue Straße im Gewerbeviertel nach Werner von Siemens benannt.
Und ältere Kö­nigs Wusterhausener Bürger zei­gen noch ein „Siemens-Haus“ (heute sorgfältig restauriert als Bürgerhaus),
von dem sie erzäh­len, daß es bis in die fünfziger Jahre von Angehörigen der Fami­lie Siemens bewohnt war.
Die Siemensstadt von Königs Wusterhausen lag in Schenken­dorf, etwa 2 Kilometer vom Zen­trum und war eine Braunkohlen­grube.
1877 hatten Bauern in Schenkendorf dicht unter dem Ackerboden Braunkohleschichten entdeckt. Man begann bald mit dem Abbau,
der allerdings wegen des hohen Grundwasser­standes schwierig wurde. 1885 kaufte Werner Siemens die Grube „Centrum“
für 58.000 Mark und erwarb 190 Hektar Bodenflä­che dazu. Er erweiterte die Gru­be, zum Teil im Untertagebau,
und ließ eine Siedlung für Arbei­ter anlegen, sowie Verwaltungs­- und Direktionsgebäude errichten. Das „Glückauf“, leicht lädiert,
grüßt noch heute erstaunte Be­sucher in Schenkendorf vom Ver­waltungsgebäude.
Die Schenkendorfer Kohle war von hervorragender Qualität und verkaufte sich gut. In der Blüte­zeit waren in der Grube 500 Ar­beiter
und 30 Angestellte be­schäftigt. Der hohe Grundwas­serstand aber bereitete ständig Probleme.
Neueste Technik der Grundwasserabsenkung mit Rie­senpumpen und Verfahren der Gefrierverfestigung des Bodens wurden erprobt.
Sie verursach­ten hohe Kosten und halfen am Ende wenig. Die Grube soff im­mer wieder ab. 1898 stellte man den Betrieb ein.
Zur gleichen Zeit wurde bei Sie­mens & Halske die drängende Frage der Randwanderung dis­kutiert.
Die Standorte in Berlin und Charlottenburg waren zu eng geworden. Was lag näher als an Königs Wusterhausen zu denken.
Dort war der Boden ohnehin billi­ger zu haben als in der Jungfern­heide bei Spandau. Den Aus­schlag gaben aber nicht die Ko­sten,
sondern die „Arbeiterfra­ge“, oder besser die „Arbeiterin­nenfrage“. In einem Gutachten heißt es dazu: „Die Berliner Ar­beiterin
wohnt zum weitaus größ­ten Prozentsatz in der Stadt bei den Eltern, Verwandten etc. und ist außerdem genußsüchtig und anspruchsvoll.
Die Mädchen wer­den die tägliche weite Reise nach Wusterhausen scheuen, beson­ders da sie bis zum Görlitzer Bahn­hof
noch weite Entfernungen zu­rückzulegen haben.“
Auch die Abwerbung durch die Konkurrenz der AEG wurde be­fürchtet: Es „dürfte nicht ganz unerwähnt bleiben, daß bei der Wahl
von Wusterhausen die gro­ßen Werkstätten der Allgemei­nen Elektrizitätsgesellschaft in Nieder-Schöneweide und insbe­sondere
das dortige Kabelwerk – mitten zwischen Berlin und Wust­erhausen gelegen – leichtes Spiel haben werde und keine Gelegen­heit
unbenutzt vorübergehen lassen dürfte, um uns unsere Arbei­ter abspenstig zu machen, be­sonders wenn es sich darum han­delt,
erprobte und in irgendeiner Spezialität ausgebildete Kräfte sich zu sichern.“
So fiel 1898, vor hundert Jahren, durch Wilhelm von Siemens, zweiter Sohn von Werner, die Entscheidung wegen der „Arbei­terfrage“
zu Gunsten der Nonnen­wiesen, wo man seit 1897 be­gonnen hatte, Grundstücke zu erwerben. Die Siemensstadt liegt seither in Spandau
und nicht bei Königs Wusterhausen. Königs Wusterhausen bewahrt die Erin­nerung an die Kohlengrube von Siemens als Teil seiner Industrie­geschichte.
(Artikel in den „Regionalen Mitarbeiterinformationen für Berlin und Brandenburg“ der Firma Siemens 1998, Verfasser unbekannt)

Das Bürgerhaus bis zum Umbau 1993/94

Die „Kleine Galerie“
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Schwere Technik im Außenbereich. Aus einem zugemauerten Fenster wird eine neue Tür.
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Der heutige Theatersaal
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Der heutige Vorraum
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Der heutige Kreativraum im Obergeschoss
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Das heutige Büro des Kulturbundes Dahme-Spreewald e.V.
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Weitere Arbeitsbilder
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Das Team feiert den Abschluß des Umbaus.
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Fotos: Michael Bley, Rainer Kugel (Dahmelandmuseum), Wolfgang Lücke u.a.

Im Jahr 1989 wurde im Bürgerhaus das Ölbild seines Namensgebers „Hanns Eisler“ aufgehängt.
Es stammt vom Maler Gerhard Mauermann, Mitglied des Kulturbundes.